Der Einfluss der Telemedizin auf die ärztliche Versorgung

Der Einfluss der Telemedizin auf die ärztliche Versorgung

Telemedizin hat in unserem Gesundheitssystem längst Einzug gehalten.

Der Einfluss der Telemedizin auf die ärztliche Versorgung

Ebenso wie in vielen anderen Berufsfeldern ist auch die ärztliche Versorgung mithilfe der Technik zunehmend standortunabhängig,
wie die Schnellschnittdiagnose durch Pathologen, die Befundung von Röntgenbildern durch den entfernt sitzenden Radiologen etc.

Standortunabhängige Leistungserbringung
D. h. Arzt und Patient können sich im Zeitpunkt der Behandlung an unterschiedlichen Orten befinden. Telemedizin hilft insoweit örtliche Distanz zu überwinden.
Sei es in der Telechirurgie durch den Einsatz eines Computers oder bei dem Telekonsil und der Telekonsultation durch den Einsatz von Kommunikationstechnologie zur Einholung einer Zweit- bzw. Expertenmeinung.

Bei dem sogenannten Telemonitoring werden Patienten in ihrem häuslichen Bereich überwacht, indem regelmäßig Messwerte erhoben und an Behandler oder Notdienste weitergeleitet werden.
Telemonitoring kommt damit im Wesentlichen in der Versorgung chronisch Kranker und Pflegebedürftiger zum Einsatz.

Veränderung der rechtlichen Rahmenbedingungen
Der Einsatz von Telemedizin hat die Gesundheitsversorgung aber nicht nur weiterentwickelt, sondern auch deren Rahmenbedingungen verändert.
Insoweit stellt sich die Frage, welche Auswirkungen diese Veränderungen auf das Berufs- und Haftungsrecht haben.

Berufsrechtliches Fernbehandlungsverbot
Denn nach dem Berufsrecht der Ärzte gilt das sogenannte Fernbehandlungsverbot. Danach muss die Behandlung unmittelbar durch den Arzt geleistet werden.
Die ursprünglich strengen Anforderungen an die Unmittelbarkeit der Behandlung wurden nach Beschluss des Ärztetages 2011 in Ansehung bereits etablierter Telemedizin zwar modifiziert.
Hierin heißt es gleichwohl, dass individuelle Behandlung, insbesondere auch Beratung nicht ausschließlich über Print- oder Kommunikationsmedien durchgeführt werden dürften.
Auch bei telemedizinischen Verfahren sei zu gewährleisten, dass der Patient unmittelbar durch einen Arzt behandelt werde.

Haftungsrechtlicher Maßstab
Ein genereller Maßstab für die berufs- und haftungsrechtlichen Grenzen telemedizinischen Handelns kann aus dieser sehr allgemeinen Formulierung indes nicht abgeleitet werden. Maßstab ist vielmehr auch hier der fachärztliche Standard. Diesen zu definieren und fortzuentwickeln obliegt allein der medizinischen Fachkompetenz und wird sich letztendlich immer nur im Einzelfall konkret bestimmen lassen.

Weil Telemedizin längst geübte Praxis ist, sollte aber auch jeder praktizierende Arzt seine vertragliche Deckung in der Berufshaftpflicht prüfen und hinterfragen, ob und wie telemedizinisches Handeln (mit)versichert ist. Risiko der Telemedizin mit Auslandsbezug

Denn Telemedizin ist von Natur aus auf eine räumliche Distanz bei der ärztlichen Versorgung angelegt, weshalb eine ärztliche Leistung – z. B. innerhalb eines Telekonsil – unschwer auch im Ausland erbracht werden kann. Dieser Auslandsbezug birgt regelmäßig die Gefahr gesamtschuldnerischer Haftung auf der Grundlage ausländischen Haftungsrechts mit zum Teil großen Schwierigkeiten in der Sachverhaltsklärung und Haftungszuordnung. Das Haftungsrisiko der Telemedizin mit Auslandsbezug ist somit deutlich erhöht und deshalb u. U. nicht grundsätzlich von der versicherten Berufshaftpflicht umfasst.

Mit der Telemedizin hat sich die ärztliche Versorgung weiterentwickelt. Zum einen, um dem demografischen Wandel (der alternden Bevölkerung) und der Verknappung der Ressourcen entgegenzuwirken. Zum anderen, um über den Einsatz telemedizinischer Verfahren eine Qualitätsverbesserung und -sicherung in der ärztlichen Versorgung zu erreichen. Es handelt sich hierbei um einen dynamischen Prozess, welcher Einfluss auch auf den Facharztstandard als rechtlichen Sorgfaltsmaßstab haben kann. Weil sich dieser unbestimmte Rechtsbegriff regelmäßig erst im Einzelfall mit Leben füllt, ist jedem praktizierenden Arzt zu empfehlen, Veränderungen in der von ihm geleisteten ärztlichen Versorgung im Einzelfall zu hinterfragen, um ggf. damit einhergehende Risikoerhöhungen erkennen zu können.

Der Deckungsschutz bei Verträgen der Dengler Assekuranzmakler GmbH
Bei allen aktuellen Haftpflichtverträgen der Dengler Assekuranzmakler GmbH sind generell alle telemedizinischen konservativen Behandlungen und Beratungen, die von einem niedergelassenen Arzt erbracht werden, mitversichert, wenn sich alle Beteiligten im Inland befinden.
Bei neuen Klienten prüfen wir dieses Merkmal bei eventuell bestehenden Haftpflichtverträgen.

Dieser Artikel entstand unter teilweiser Verwendung des HDI Medletters 7/2015

Telemedizin hat in unserem Gesundheitssystem längst Einzug gehalten.

Der Einfluss der Telemedizin auf die ärztliche Versorgung

Ebenso wie in vielen anderen Berufsfeldern ist auch die ärztliche Versorgung mithilfe der Technik zunehmend standortunabhängig,
wie die Schnellschnittdiagnose durch Pathologen, die Befundung von Röntgenbildern durch den entfernt sitzenden Radiologen etc.

Standortunabhängige Leistungserbringung
D. h. Arzt und Patient können sich im Zeitpunkt der Behandlung an unterschiedlichen Orten befinden. Telemedizin hilft insoweit örtliche Distanz zu überwinden.
Sei es in der Telechirurgie durch den Einsatz eines Computers oder bei dem Telekonsil und der Telekonsultation durch den Einsatz von Kommunikationstechnologie zur Einholung einer Zweit- bzw. Expertenmeinung.

Bei dem sogenannten Telemonitoring werden Patienten in ihrem häuslichen Bereich überwacht, indem regelmäßig Messwerte erhoben und an Behandler oder Notdienste weitergeleitet werden.
Telemonitoring kommt damit im Wesentlichen in der Versorgung chronisch Kranker und Pflegebedürftiger zum Einsatz.

Veränderung der rechtlichen Rahmenbedingungen
Der Einsatz von Telemedizin hat die Gesundheitsversorgung aber nicht nur weiterentwickelt, sondern auch deren Rahmenbedingungen verändert.
Insoweit stellt sich die Frage, welche Auswirkungen diese Veränderungen auf das Berufs- und Haftungsrecht haben.

Berufsrechtliches Fernbehandlungsverbot
Denn nach dem Berufsrecht der Ärzte gilt das sogenannte Fernbehandlungsverbot. Danach muss die Behandlung unmittelbar durch den Arzt geleistet werden.
Die ursprünglich strengen Anforderungen an die Unmittelbarkeit der Behandlung wurden nach Beschluss des Ärztetages 2011 in Ansehung bereits etablierter Telemedizin zwar modifiziert.
Hierin heißt es gleichwohl, dass individuelle Behandlung, insbesondere auch Beratung nicht ausschließlich über Print- oder Kommunikationsmedien durchgeführt werden dürften.
Auch bei telemedizinischen Verfahren sei zu gewährleisten, dass der Patient unmittelbar durch einen Arzt behandelt werde.

Haftungsrechtlicher Maßstab
Ein genereller Maßstab für die berufs- und haftungsrechtlichen Grenzen telemedizinischen Handelns kann aus dieser sehr allgemeinen Formulierung indes nicht abgeleitet werden. Maßstab ist vielmehr auch hier der fachärztliche Standard. Diesen zu definieren und fortzuentwickeln obliegt allein der medizinischen Fachkompetenz und wird sich letztendlich immer nur im Einzelfall konkret bestimmen lassen.

Weil Telemedizin längst geübte Praxis ist, sollte aber auch jeder praktizierende Arzt seine vertragliche Deckung in der Berufshaftpflicht prüfen und hinterfragen, ob und wie telemedizinisches Handeln (mit)versichert ist. Risiko der Telemedizin mit Auslandsbezug

Denn Telemedizin ist von Natur aus auf eine räumliche Distanz bei der ärztlichen Versorgung angelegt, weshalb eine ärztliche Leistung – z. B. innerhalb eines Telekonsil – unschwer auch im Ausland erbracht werden kann. Dieser Auslandsbezug birgt regelmäßig die Gefahr gesamtschuldnerischer Haftung auf der Grundlage ausländischen Haftungsrechts mit zum Teil großen Schwierigkeiten in der Sachverhaltsklärung und Haftungszuordnung. Das Haftungsrisiko der Telemedizin mit Auslandsbezug ist somit deutlich erhöht und deshalb u. U. nicht grundsätzlich von der versicherten Berufshaftpflicht umfasst.

Mit der Telemedizin hat sich die ärztliche Versorgung weiterentwickelt. Zum einen, um dem demografischen Wandel (der alternden Bevölkerung) und der Verknappung der Ressourcen entgegenzuwirken. Zum anderen, um über den Einsatz telemedizinischer Verfahren eine Qualitätsverbesserung und -sicherung in der ärztlichen Versorgung zu erreichen. Es handelt sich hierbei um einen dynamischen Prozess, welcher Einfluss auch auf den Facharztstandard als rechtlichen Sorgfaltsmaßstab haben kann. Weil sich dieser unbestimmte Rechtsbegriff regelmäßig erst im Einzelfall mit Leben füllt, ist jedem praktizierenden Arzt zu empfehlen, Veränderungen in der von ihm geleisteten ärztlichen Versorgung im Einzelfall zu hinterfragen, um ggf. damit einhergehende Risikoerhöhungen erkennen zu können.

Der Deckungsschutz bei Verträgen der Dengler Assekuranzmakler GmbH
Bei allen aktuellen Haftpflichtverträgen der Dengler Assekuranzmakler GmbH sind generell alle telemedizinischen konservativen Behandlungen und Beratungen, die von einem niedergelassenen Arzt erbracht werden, mitversichert, wenn sich alle Beteiligten im Inland befinden.
Bei neuen Klienten prüfen wir dieses Merkmal bei eventuell bestehenden Haftpflichtverträgen.

Dieser Artikel entstand unter teilweiser Verwendung des HDI Medletters 7/2015